Das Leben ist ein Rätsel

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Wer ist „Niki-san“

Es ist ein wenig seltsam und ich muss immer schmunzeln, wenn ich so genannt werde. Da mein Name in Japanischen schwer auszusprechen ist hasbe ich den meisten gesagt sie sollten mich einfach Niki nennen, was wesentlich leichter von der Zunge geht.

Niki ist nun aber eher ein Spitzename (den ich im Übrigen allen die ihn aussprechen können verbiete) also etwas unter Freunden. Dementsprechend klingt es schon sehr lustig wenn jemand aus dem Club mich „Niki-san“ nennt. Dabei sage ich allen imemr dass das „san“ ohnehin nicht nötig ist.

für alle die es nicht wissen, san ist in Japanischen ein Höflichkeitssuffixdas an Namendrangehängt wird. Meistens benutzt man es entweder wenn man jemanden gerade erst kennengelernt hat (dann meistens auch mit dem Familiennamen der entsprechenden Person) oder wenn man mit jemanden redet der höher gestellt ist als man selbst. Oder uach mit flüchtigen bekannten. Es gibt noch einpaart mehr solche Suffixe, etwa „senpai“z.b. für Schüler die älter sind oder auch Clubmitglieder die schon fortgeschritten sind, oder „sensei“ für Lehrer oder sonst wie gebildete Leute (z.b. Ärtzte o.ä.)

Mit den meisten Clubmitgliedern, außer den Senpai, benutzt ich informelle Sprache nenne manche sogar „chan“. Umsoerstaunlicher ist die Hartnäckigkeit dieses Mädchens mic h „san“ zu nennen, gepart mit einem Spitznamen! Ich finds herrlich XD

Das ist Japan wie es leibt und lebt.

 

Wie nett können Japaner eigentlich sein

Im Ernst, manchmal ist das fast schon unheimlich.

Nehmen wir mal meine Uni als Beispiel, nicht nur dass wir super eingeführt werden, Tutoren kriegen etc. wir kriegen ja auch noch so viel Spendiert wie etwa den Ausflug zum Schloss Nagoya oder nächsten Monat den Trip nach Kyoto, was schon nicht billig werden dürfte.

Diese Woche konnten wir kostenlos Schloss Inuyama bewundern. Freiwillige Führer haben und alles um der Schloss herum geklärt. Es ist schon gut 600 Jahre alt und aus Holz. Einer der vier Schätze Japans. Tatsächlich ist5 es das älteste Schloss Japans.

Und auch Geschichtlich is es von Großer Bedeutung wurde es doch von Oda Yojiru Nobuyasu, dem Onkel des Berühmten Samurai Oda Nobunaga erbaut (Nobunaga wurde berühmt weil er den Weg zur Vereinigung Japans geebnet hat ehe er betrogen und ermordet wurde). Auch wichtige Schlachten wurden um das Schloss herum gefochten aber das alles aufzuschreiben würde zu lange dauern.

Natürlich ist übrigen nicht das ganze Schloss aus Stein, wäre ja recht Lachhaft, es hat einen Steinernen Sockel, das besondere an diesem ist dass die Steine nicht bearbeitet wurden, wie es sonst meistens der Fall war. Viele Schlossherren haben sogar Zeichen in die Steine eingravieren lassen um zu zeigen ,dass sie ihr Eigentum sind

Man merkt jedenfalls schon beim eintreten den großen unterschied zwischen wieder aufgebauten Schlössern wie in Nagoya und Osaka und diesem. Alleine schon die sehr steilen Treppen, bei denen man Angst kriegt herunter zu fallen sind bemerkenswert.

Außerdem steht das Schloss auf einem Berg an dem ein großer Fluss vorbei geht (Fluss Kiso) also ein super Platz zu Verteidigung.

Aber hier sollte es ja nicht nur um Inuyama gehen, sondern darum wie freundlich, oder zumindest höflich Japaner sind. einer der Führer kannte eine wohl recht bekannte Kalligraphie Künstlerin. Itoh Orson, die in Inuyama wohnt. Sie hat Ausstellung auf der ganzen Welt, in New York, San Francisco und sonst wo. Ein Bild von ihr ist 2000$ wert.

Sie hat uns allen ein Holzamulett mit einen Kanji unserer Wahl geschenkt. Einfach so, mit ihrem Stempel drauf. Da ein Bild von ihr 2000$ Wert ist ist so ein Amulett sicher auch 100 oder mehr wert. Sowas von lieb! Und ich finde das geht über reine Höflichkeit hinaus. Höflich wäre es uns vorzustellen, Bilder zu zeigen, vielleicht einmal zu schauen lassen, aber uns einfach so ihre Arbeit zu schenken ist meiner Meinung nach darüber hinausgehend und eindeutig eines der besten Souvernirs, das ich aus Japan mitbringen werde. Ich habe mir das Zeichen für Schmetterling (cho) drauf schreiben lassen,

Wieso dürfen Frauen das nicht

Eine Erfahrung die ich in Japan gemacht habe ist das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Sie scheinen in völlig anderen Kulturen zu leben, die gesamte Sprache ist anders wenn man mit Männern und Frauen redet!

Tatsächlich meinte eine Japanerin erst kürzlich zu mir, dass es schwierig sei, mit Jungs zu reden und sie zu verstehen. Es gibt also tatsächlich eine Sprachliche Differenz, die Geschlechter von einander trennt, genauso wie es sonst mit Sozialen Schichten oder Altersunterschieden der Fall ist.

So lerne ich etwas eine Imperativ-Fom die angenehm kurz und bündig ist etwa こい (koi), statt 来てください (kitekudasai) was soviel heisst wie „Komm“, aber das erste kann nur von Männern genutzt werden! Man kann zwar auch 来て (kite) ohne das ください (kudasai) benutzen aber von Frauen wird eigentlich beides erwartet.

Auch „ich“ ist unterschiedlich je nach dem ob es ein Mann oder eine Frau sagt. ぼく (boku) oder おれ (ore) wir nur und ausschließlich von Männern benutzt. ぼく ist dabei das formellere, おれ wird nur unter Freunden benutzt. Mädchen hingegen sagen わたし (watashi) was Jungs auch benutzen dürfen, manchmal わたくし (watakushi), sie haben eigentlich keine wirkliche informelle Anrede, jedenfalls keine, die ich kennen würde.

Überhaupt ist die Sprache für Frauen wesentlich formeller und höflicher, was schon viel über das Bild der gewünschten japanischen Frau aussagt. Sie ist ruhig, höflich, eine vollendete Gastgeberin, sie befiehlt nicht, sie erträgt.

Es ist auch immer noch so, dass Mädchen nicht wirklich großartige Karrieren in Betracht ziehen, eine erfolgreichere Karriere, oder in die Politik gehen ist für die Mehr zahl undenkbar. Lehrerin oder dergleichen sind die häufigsten Berufswünsche, bei der Frage, ob sie sich eine Frau als Ministerin vorstellen könnten stößt man auf verwundertes schweigen.

Zu meiner eigenen Meinung dazu:

Es nervt ein wenig. Es ist nicht so, als hätten sich irgendwelche Jungs oder Mädchen mir komisch gegenüber verhalten oder so was, aber man merkt es einfach, dass es zwei verschiedene Welten sind. Ich habe auch meine Probleme mit den Mädchen, aber ich glaube darüber schreibe ich ein andern mal ausführlicher wenn es um die Kleidung geht 😉

Es nervt, dass ich Formen lernen muss und nicht anwenden darf, oder wenn ich sie anwende doof angeschaut werde, weil es sich ja nicht gehört für eine Frau. Das gilt im übrigen auch auf anderes benehmen, etwa wie man sich hinsetzt, kleidet und dergleichen.

Es ist ziemlich komplex muss ich sagen und ich habe sicher noch nicht alle Facetten durchschaue, aber es ist auch irgendwie spannend. Aber auf dafür wäre ich wohl vor allem genervt.

Wie Höflich

Heute hatte ich ein sehr interessantes Seminar über politeness, da das Seminar in Englisch war behalte ich die Englischen Fachbegriffe da ich nicht sicher bin, ob ich die einfach übersetzen kann.

Also: Wie funktioniert Höflichkeit?

Habt ihr euch das nicht auch   gefragt? Man lernt zwar von klein auf was „höflich“ und was „unhöflich“ ist aber wie stellen wir das überhaupt fest? Was macht Höflichkeit aus?

Also laut einer Theorie von Levinson haben alle erwachsenen (ja Kinder werden bei ihm ausgeschlossen) zwei Faces

1. das positive face: Das heißt soviel wie: „Ich will das andere mich wertschätzen“ Also soziale Anerkennung

2. das negative face: Das heißt „Lass mich, ich kann das auch alleine“ Also dass ich als Individuum selbstständig bin.

Euch wird auffallen dass die nicht ganz Konform miteinander gehen und sehr labil sind. Und darum geht politeness nämlich zu versuchen die faces des Gegenübers zu wahren. In wie fern man das tut und was für Opfer man dafür bringen muss wird dabei abgeschätzt. Man kann allerdings auch sein eigenes face bedrohen mit dem was man sagt.

Also ein paar Illustrationen:

Wenn z.B. jemand dich fragt „Hast du auch daran gedacht die Wäsche aufzuhängen?“ bedroht diese Person das positiv face  von dir, denn  1.gibt es keine Anerkennung da die Person dir nicht zutraut da selbst dran gedacht zu haben.

Oder wenn man um Hilfe bittet bedroht man selbst sein negative face da man zeigt dass man etwas nicht alleine schafft.

Will man höflich sein muss man versuchen die Bedrohung dem Gesprächspartner gegenüber zu vermindern. Man will also vllt zum ausdruck bringen dass der andere etwas falsch gemacht hat, sagt aber nicht „Das war totaler Mist“ sondern vllt eher „das ist zwar ein guter Ansatz, aber wenn ich dir helfen dürfte,…“ oder ähnliches. Natürlich kann man auch gegenteilig anwenden also wenn man jemanden fertig machen will kann man dessen faces bedrohen und seine eigenen verstärken um zu zeigen dass man über der Person steht.

So nehmen wir auch Charaktereigenschaften wie Arroganz, Selbstbewusstsein, oder auch ängstlich und „buckelnd“, all das wird stark Sprachlich dargestellt, gibt es aber natürlich auch auf einer nonverbalen Ebene, aber darauf sind wir im Kurs natürlich nicht genauer eingegangen.

Ich fand es sehr interessant und werde beim reden mal drauf achten in wiefern meine faces bedroht werden oder auch ich die von anderen bedrohe und was für Konsequenzen hat und andersherum.

Wen es mehr interessiert: http://en.wikipedia.org/wiki/Politeness_theory